Fahrradreparatur leicht gemacht

Mit den Dynamos an meinen Fahrrädern hatte ich nie viel Glück. Die meisten rasteten einfach nicht mehr richtig ein, und mussten dann gewaltsam an den Reifen rangebogen werden - was auch nur bedingt lange funktioniert. So lange etwa, bis der Dynamo bei der Fahrt die Straße entlang sich entscheidet sein Glück in der weiten Welt zu suchen, und samt Halterung abbricht - nur um dann nach wenigen Sekunden der Freiheit von einem Auto überrollt zu werden.
Ein neuer Dynamo musste her.
Die Montageanleitung auf der Packung war nicht unbedingt hilfreich (die Abbildung mit dem Titel "linksmontierter Fahrraddynamo" zeigte einen rechts montierten Dynamo...), die zwei Striche die in die grobe Richtung des Geräts gingen, und anzeigten dass es einen Plus- und einen Minuspol gab, allerdings nicht welcher davon jetzt welcher war, waren jedenfalls eher nicht zu gebrauchen - erst recht, da die Kabel ohnehin nicht beschriftet waren.
Da stand ich also, den neuen Dynamo ans Fahrrad angeschraubt, und rätselte darüber, welche der vier Kabel nun an welche der zwei Anschlüsse am Gerät gehörten. Da es eher unwahrscheinlich war dass an einen Anschluss mehr als zwei Kabel gehörten, war die Anzahl der möglichen Kombinationen überschaubar. Zwei der Kabel waren etwas länger als die anderen beiden, also kamen die wohl an den am weitesten entfernten Kontakt, die kurzen an den der näher dran war. Leichter gesagt als getan, dazu mussten sie durch winzige Löcher geschoben werden, in denen sie sich gerne aus ihrer gezwirbelten Ordnung lösten und auszudrücken versuchten, wie abstoßend sie das jeweils andere Kabel wirklich fanden. Einige Minuten später war es dann doch geschafft, die Kabel waren an den Kontakten, der Dynamo drehte sich gleichmäßig mit dem Rad... doch das Licht blieb aus.
Kein Problem, dann gehören wohl die kurzen Kabel an den weiter entfernten Kontakt, als Nutzer von Windows ist derlei Logik ja nicht völlig ungewohnt. Wieder einige Minuten der Pfriemelei überwunden, wieder das Hinterrad angehoben und in die Pedale getreten... wieder kein Licht. Dafür fiel mit dem Abstellen die Abdeckung des Rücklichts ab. Egal, es gab Wichtigeres.
Augenscheinlich musste je ein kurzes mit einem langen Kabel kombiniert werden. Warum weiß man nicht genau, aber alle anderen Optionen waren ja erschöpft. Also heiter kombiniert, die Kabel wieder durch die Löcher gezwängt, am widerstandsstärkeren der beiden Kontakte etwas nachlässiger gewesen, in die Pedale getreten... Licht! Aber nur vorne. Lag vielleicht an dem einen Kontakt, man weiß ja nie. Vielleicht sorgt das eine Kabelpaar für das Vorder- und das andere für das Rücklicht, man hat schließlich schon seltsamere Dinge erlebt, und der Physikunterricht über die Stromkreise ist auch schon länger her.
Die entsprechenden Kabel also wieder abgemacht, nochmal kräftig gezwirbelt, mit besonderer Vorsicht und Sorgfalt den Kontakt wiederhergestellt, Hinterrad hoch, Pedal getreten... kein Licht.
Ungläubiges Staunen, mangels sinnvollen Optionen schnell in verärgerte Verzweiflung umschlagend.
Was also tun? Das einzig Unlogische: Die Kabelpaarungen an den jeweils anderen Kontakt anschließen. Gesagt, [gepfriemelt, geärgert, gezwirbelt, wieder gepfriemelt, nochmal gezwirbelt, etwas mehr geärgert, gepfriemelt,] getan, Hinterrad hoch, Pedal getreten... und es ward wieder Licht - aber wieder nur vorne. Am Dynamo konnte es eigentlich nicht liegen, also war wohl das Rücklicht der Übeltäter. Da schaut man beim Fahren auch eher selten genau hin, wer weiß wann das das letzte Mal funktioniert hat. Eine neue Glühbirne eingeschraubt - kein Licht. Eine weitere ausprobiert - kein Licht. Rost aus der Fassung abgeschabt - immer noch kein Licht. In der Schachtel mit dem Fahrradzubehör nach einem kompletten, möglichst funktionierenden, Rücklicht gesucht, nicht fündig geworden. Resignation, Kapitulation, Fatalismus, gepaart mit vorsichtigem Optimismus - immerhin funktioniert das Licht vorne, den Rückwärtsgang setzt man am Fahrrad eher selten ein, und für etwaige Autofahrer die im Dunkeln überholen möchten spiegelt das Rücklicht auch ohne Birne das Scheinwerferlicht. Und im Sommer ist es ohnehin länger hell, soll das Rücklicht doch sehen wo es neue Arbeit findet, das Fahrrad fährt auch ohne Licht. Also die Glühbirne wieder reingeschraubt, die Abdeckung draufgesetzt, einen Anflug finsterer Vorahnung über das plötzliche Nichtfunktionieren des Vorderlichtes durch schnelles Pedaltreten abgewehrt - und siehe da, das Rücklicht leuchtet solidarisch mit.
Es fühlte sich ohne Abdeckung wahrscheinlich einfach nackt und wehrlos, und hat sich auch ein bisschen geschämt. Verständlich, eigentlich.
Eigentlich.

2 Kommentare:

Madse hat gesagt…

Sone Lampe ist auch nur ein Mensch!

Jan Hanfeld hat gesagt…

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat am 20. Februar 2009 eine Protestaktion gestartet:
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